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Mehr digitales Denken! So schadet die „Lesen durch Schreiben-Methode“ unserer Zukunft

Lesen-durch-Schreiben-Digitales-Denken

Was haben Entscheidungen im Bildungssystem und ‚digitales Denken‘ mit unserer Zukunft und Unternehmertum zu tun? Mehr, als du vielleicht zunächst denken magst.

Personalverantwortliche und Chefs kennen sicherlich aus leidiger Erfahrung Bewerbungsschreiben, bei denen man kurz den Glauben an die Menschheit infrage stellt und denkt, dass selbst ein Zweitklässler sich besser und mit weniger Rechtschreibfehlern auszudrücken vermag.

„Ha ich und meine Mann zuhen Arbaiten in ***** via Wonnen in **** giibst Arbaiten für uns via wollt gernne hier Arbaiten ten danke? Ich habe kainne e-mail Adresse kann nicht Rain kommen für das wo sie hat micht gerade ge schigkt haben Bey sie in ******** kainne Arbaiten in ********* ober ? Wall via freuen uns gernne hier…“

(Die Antwort auf deine Frage lautet übrigens: Ja, es handelt sich hier tatsächlich um ein ganz reales Fallbeispiel)

Vong wegen Biltung – ‘Lehssen duhrch Schraipen’

Durch die ‘Lesen durch Schreiben-Methode‘ tut man von staatlicher Seite alles dafür,  dass vielleicht bald niemand mehr darauf kommt, Zweitklässlern korrekte Rechtschreibung zuzutrauen.  Durch diese fragwürdige Methode sollen nämlich seit einigen Jahren Grundschüler erst einmal schreiben dürfen, wie sie wollen, bevor ihnen später die korrekte Schreibweise nahegebracht wird.

Nicht nur der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger, fordert vehement die Abschaffung dieses reformpädagogischen Irrsinns, sondern auch ich, als Autor dieses Artikels. Etwas falsch zu lernen war noch nie richtig und mehr digitales Denken würde helfen, solche Methoden erst gar nicht einzuführen.

Als ich erstmals von der Einführung der von Jürgen Reichen entwickelten ‘Lesen durch Schreiben-Methode’ hörte, habe ich das tatsächlich für einen Scherz meiner Bekannten gehalten. Das Lachen blieb mir dann im Halse stecken, während mein Kopf einfach nicht aufhören wollte, von links nach rechts zu pendeln.

Wie kann man so verantwortungslos Experimente in diesem Umfang durchführen, während wirklich wichtige, grundlegende Reformen des deutschen Schulsystems seit Jahrzehnten überfällig sind?“, fragte ich mich – frage ich mich nach wie vor.

Kinder-Schreiben-Zukunft
Hatte sich bewährt: Generationen von Kindern lernten mit der Fibel Lesen und Schreiben.

Mehr digitales Denken & digitales Handeln

Im digitalen Zeitalter gibt es im wirtschaftlichen Bereich für Unternehmen zwei grundlegende Arten, wie man Entscheidungen trifft. Die einen setzen nach wie vor auf Intuition, Bauchgefühl, Glück – wie immer man es auch nennen mag. Die anderen setzen auf selbiges, testen aber alle erfolgsversprechenden Optionen durch und handeln auf Basis von validen Daten, um gar nicht erst Holzwege zu beschreiten, sondern den Pfad des Erfolges zu wählen.

Übertragen auf das Schulsystem bedeutet dies: wenn Methoden wie das ‚Lesen durch Schreiben-Prinzip‘ nicht anderen Methoden (oder zumindest der etablierten Methode) gegenübergestellt und wissenschaftlich begleitet getestet werden, gleicht das dem Werfen einer Münze. Das wiederum widerspricht dem Gebot der Vernunft oder dem gesunden Menschenverstand – wie auch immer man es bezeichnen mag.

Doch dass Entscheidungen aufgrund des eng mit dem Beamtentum und der Politik verflochtene Schulsystems oftmals rein gar nichts mit Logik, Vernunft oder Rationalität zu tun haben, ist kein großes Geheimnis. Mir tun die wirklich guten, (noch) engagierten Lehrer an der Basis unendlich leid, die aufgrund genau dieser Strukturen gegen ihre Überzeugungen Kinder verdummen lassen müssen und doch nichts ändern können, weil ein antiquiertes, föderalistisches Bildungssystem mit teils realitätsfernen Beamten in Spitzenpositionen schnelle und effiziente Anpassungen unmöglich macht. In anderen Worten ausgedrückt: Es mangelt an modernem, digitalem Denken, was schnelleren und auf validen (Test-)Daten basierenden Handlungen im Wege steht.

Föderalismus schadet

Während man von politischer Seite in Bezug auf Europa stets betont, wie wichtig es ist, mit einer Stimme zu sprechen und nach außen hin einheitliche Entscheidungen zu vertreten, um als vergreisender Kontinent im globalen Zeitalter noch mitreden zu können, scheint man davon innenpolitisch nichts wissen zu wollen. Bildungspolitik ist nach wie vor Ländersache. 16 Köche verderben also den Bildungsbrei.

In Hamburg und Baden-Württemberg darf die ‚Lesen durch Schreiben-Methode‘ nämlich bereits nicht mehr angewendet werden, während in den anderen Bundesländern Kinder leider nach wie vor ihre eigenen Rechtschreiberegeln erfinden dürfen, um dann irgendwann mit Glück nochmal umlernen zu können.

Wenn etwas nach wissenschaftlichen Maßstäben und erfolgreichen Praxistests gut für die Bildung ist, gehört es schnell flächendeckend eingeführt! Ist es hingegen schlecht, gehört es ebenso schnell abgeschafft! Handlungsfähigkeit und schnelle Anpassung sind Pflicht, will man den Anschluss an andere Länder nicht verlieren und somit den Wohlstand Deutschlands langfristig sichern.

Gesellschaftliche Debatte & konsequentes Handeln nötig!

Es braucht daher dringend eine große gesellschaftliche Debatte, wie das Schulsystem ganzheitlich so reformiert werden kann, sodass Kinder die Herausforderungen des digitalen Zeitalters und der Globalisierung erfolgreich meistern können. Die schnelle Abschaffung von zusätzlichen Hürden, wie „Lesen durch Schreiben“, wäre da nur der logisch zwingende Anfang. Unternehmer, Personalverantwortliche, Mitarbeiter – niemand braucht sich sonst wundern, wenn in Zukunft Standards noch weiter abgesenkt werden oder  werden müssen und Miss-Kommunikation aufgrund sprachlich-schriftlicher Defizite drastisch zunimmt.

Der Erfolg des Menschen als Spezies hat er Teamwork und der dafür notwendigen ausgefeilten Kommunikation zu verdanken – in Wort UND Schrift. Korrekte Schreib- und Ausdrucksweisen von Beginn an zu erlernen ist daher unabdingbar!

Marian Gassen (BlueShirtJobs Geschäftsführer)


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